Die Wahrheit - Sat


as ist Wahrheit? sagte Pilatus als er einem mächtigen Boten der Wahrheit gegenübergestellt war; - sicherlich nicht scherzend, bestimmt nicht im Geiste seichter Oberflächlichkeit, sondern sich von Christus mit der Ungeduld der desillusionierten Seele für Jene abwendend, die immer noch hohe Worte verwenden, die ihre Bedeutung verloren haben und an große Ideale glauben, die das geprüfte Ergebnis bewiesen hat, daß sie irrig sind. Was ist Wahrheit, - diesem so lange nachgegangenen, dieses so unmöglich fest zu ergreifende Phantom, um dessen ein junger, schöner, begabter, beredsamer und bewunderter Mensch gekreuzigt werden sollte? Haben Umstand und Ereignis, die halb mitleidige und halb traurige Frage des römischen Gouverneurs nicht gerechtfertigt? Der Bote litt am Kreuz und was geschah mit der Wahrheit die seine Botschaft war? Christus selbst sah voraus, sie wurde sogar von ihren Professoren niemals verstanden. Für hundert Jahre war es eine glorreiche Fata Morgana, für die sich Tausende von Menschen und Frauen bereitwillig Gefangenschaft, Folter und Tod auferlegten, damit das Königreich Christi auf Erden kommen möge und die Nation vom Glück ergriffen werden solle. Aber das Königreich das kam war nicht vom Christus; es war Constantins, es war Hildebrands, es war Alexander Borgias. Für weitere dreizehn Jahrhunderte war die Botschaft - welche? Ist sie nicht der Hauptträger von Fanatismus, Unwahrheit, Grausamkeit und Heuchelei gewesen, die Lieferanten egoistischer Kraft, der Eckstein einer Gesellschaft die alles das war, das Christus angeprangert hatte? Jesus starb am Kreuz für den Nutzen von Jenen könnte es scheinen, die sich zusammenschlossen um ihn zu erschlagen, - für den Sadduzäer, Atheisten und Hohen Priester, den Pharisäer, den Fanatiker oder den Heuchler und Verfolger und den brutalen, selbstsüchtigen, gefühllosen militärischen Römer.

Jetzt in ihrem letzten Status, nach solch einer beklagenswerten Karriere, steht die Wahrheit Christi, von der neuen Weltaufklärung schließlich als Halluzination oder Aberglaube zurückgewiesen, als eine da die manchmal hilfreich, manchmal schädlich, die frühe Kindheit vom menschlichen Intellekt amüsierte. Diese Geschichte ist in zu ausgeprägten Zeichen geschrieben, um der genaue Typ aller Botschaften zu sein, die die Welt erhalten hat, aber ist es nicht in irgendeiner Weise das Schicksal aller Wahrheit? Welche Idee hat erfolgreich den Test einer ausgedehnten und mitleidlosen Nachforschung ertragen? Welches Ideal hat erfolgreich die Prüfung der Zeit ertragen? Ist die Menschheit nicht die letzten fünfzig Jahre und mehr damit beschäftigt gewesen, fast all das zu leugnen, das sie früher beteuert hatte? Und nun, da unter dem Namen des Rationalismus oder Materialismus, die Ablehnung sich in irgendeine Form durchführbarer praktischer Bestätigung geformt hat, ist die Menschheit wieder beim Werk ihre Ablehnung zu leugnen und neu anzuordnen, -- aber dieses Mal zweifellos ihre alten Bestätigungen. Die Skepsis des Pilatus würde deshalb eine Entschuldigung, in einer wiederkehrenden menschlichen Erfahrung zu sein scheinen. Gibt es wirklich solch eine Sache wie Wahrheit, -- natürlich jenseits dieser praktischen Wahrheit beharrlicher und materieller Erscheinungen durch die wir unser Leben beherrschen, der Wahrheit von Tod, Geburt, Hunger, Sexualität, Schmerz, Vergnügen, Handel, Gelderwerb, Bequemlichkeit, Beschwerden, Ambition, Versagen und Erfolg! Hat wahrhaftig nicht das hochfliegendste von unseren philosophischen Systemen, alle Dinge hier als Maya (Illusion) erklärt? Und wenn dann Maya Illusion ist, eine Täuschung vom denkenden Bewußtsein, dann kann es in der Tat nirgendwo in der Welt Wahrheit geben, außer dieser undefinierbaren Existenz, die wir nicht erfaßen können und die der Buddhismus schließlich nicht ohne Logik und Plausibilität, als ein anderes und mehr verallgemeinertes Samskara (fundamentale Tendenzen) festlegt und als falsche Sinnesempfindung des Bewußtseins in der ewigen Leere leugnet. Und doch ist der Mensch so geschaffen, daß er der Wahrheit folgen muß, ob er zu ihr gelangt oder nicht; etwas in ihm im Geheimen, gebieterisch und wesentlich für seine Existenz, verbietet ihm mit einer Unwahrheit zufrieden zu sein; im Moment wo sie wahrgenommen wird oder auch nur eine Unwahrheit zu sein geglaubt wird, weist er sie zurück und die Sache beginnt sich aufzulösen. Wenn er auf seiner Ablehnung besteht, kann sie nicht dauern. Sie war gestern und wir sehen sie heute wacklig, morgen werden wir nach ihr schauen und finden, daß sie nicht mehr da ist. Sie ist zurück zur Prakriti (Natur) gegangen; sie hat sich in das aufgelöst, woraus sie gemacht wurde.

Denn Sraddha (Glaube) ist die Bedingung aller Existenz im Bewußtsein und jenes, dem Sraddha versagt wird, hört auf zu existieren, ob nun hier oder woanders, na caivamutra no iha. Es ist nicht, - weder in dieser Welt noch in einer anderen. Wir dürfen aus dieser Bedeutung und dieser zwingenden Unumgänglichkeit nicht unvernünftigerweise schließen, daß Wahrheit tatsächlich existiert und alles nicht nur Illusion ist. Wenn die Wahrheit so unserem Griff entkommt und uns in Desillusion und Spott beläßt, dann mag es deshalb sein, weil wir uns weder irgendeine klare Konzipierung von dem was die Wahrheit selbst ist gebildet haben, noch die richtigen Mittel benutzt haben, durch die sie ergriffen werden kann. Lassen wir für eine Weile Buddhas Welt der Samskaras beiseite; lassen wir, in eine erreichbare Ecke des Gehirns gepackt, Schankaras Evangelium der Maya beiseite und beginnen stattdessen bei den alten vedantischen Anfängen, - OM TAT SAT. Das (Brahman), ist das Ding das ist und sarvam khalvidam brahma, wahrlich dies alles, alles wovon wir wissen, ist Brahman. Es ist zumindest möglich, daß wir von dieser Erkundung, mit einer tieferen Idee sowohl vom Samskara, als auch von Maya zurückkehren mögen und finden, daß wir die Frage von Pilatus beantwortet haben und die Natur und die Bedingungen der Wahrheit entdeckten.

Ich spreche von der Grundwahrheit, der Wahrheit der Dinge und nicht lediglich von der Tatsache über Einzelheiten oder nur von Einzelheiten, so wie ihr Wissen eine Basis oder eine Hilfe zur Entdeckung der Grundwahrheit bildet. Die Tatsache, daß mich eine besondere Art des Kontakts unangenehm berührt, heißt an sich nichts, ausgenommen in soweit es auf die allgemeinen Ursachen des Schmerzes Licht wirft; die Natur, der Ursprung und Zweck des Schmerzes ist die Grundwahrheit, die ich über die gefühlsmäßige Reaktion zu kontaktieren versuche. Dieses Gesetz des Schmerzes ist außerdem nicht so grundsätzlich, wie die Wahrheit über die Natur, den Ursprung und Zweck der Sinnesempfindung und des Kontaktes selber, von denen Schmerz eine Eigenheit, ein Beispiel oder eine Modifikation ist. Diese mehr fundamentale Wahrheit wird selbst wieder speziell, wenn mit der Wahrheit über Natur, Ursprung und Zweck der Existenz verglichen, deren Sinnesempfindung und Kontakt nur besondere Umstände sind. Bei diesem kommen wir an der einen Grundwahrheit von allen an und etwas Überlegung zeigt, wenn wir diese wirklich und richtig kennen, soll sich der Rest möglicherweise sofort offenbaren und ihre Stelle einnehmen. Wenn daß gewußt wird, wird alles gewußt. Unsere Vorfahren nahmen diese Wahrheit der Grundeinheit des Wissens wahr und suchten Sat zuerst zu kennen; - zuversichtlich, dieses Sat zu kennen, würde auch die verschiedenen Tattvas, Gesetze, Aspekte und Einzelheiten über Sat, bereitwilliger machen ihr Geheimnis abzugeben. Die Anhänger der Moderne folgen einem anderen Gedanken, welcher auch eine eigene Wahrheit hat. Sie denken, seit das Dasein eins ist, muß die Kenntnis der Einzelheiten, auch zur Kenntnis der Grundeinheit führen und beginnen deshalb am Fuße und klettern aufwärts -- eine langsame, aber eine vorstellbar sichere Verfahrensmethode.


"Kleine Blume in der Ritze", ruft Tennyson aus, eine hübsche Blüte in der Mauer in Zeilen ansprechend, die guten Gedanken aber scheußliche Dichtung machen, "wenn ich bloß wissen könnte was du bist, sollte ich wissen, was Gott und Mensch ist."

(Blume in der Mauerritze,
ich pflück' dich aus dem Versteck,
Wurzeln und alles halt ich in meiner Hand,
wenn ich verstehen könnte, was du bist kleine Blume,
mit Wurzeln und allem überhaupt,
würde ich wissen was Gott und Mensch ist.)

Zweifellos ist die Frage, ob wir ohne Gott zu kennen, die Blume wirklich kennen können, -sie kennen und nicht lediglich ihren Namen und ihre Form oder alle Details ihres Namens und ihrer Form. Rupa (die Form), können wir durch die Hilfe der Wissenschaft kennen und analysieren, Nama (der Name), durch die Hilfe der Philosophie; aber Swarupa (die Selbst-Form, die essentielle Wirklichkeit) ? Es scheint so, daß ein drittes Instrument für dieses Wissensziel erforderlich ist. Die Sinne und die Vernunft, obwohl von Mikroskopen und Teleskopen unterstützt, können sie uns nicht zeigen. Die Form von Dem, steht nicht im Gesichtskreis des Sehens. Dem Geist und der Rede wird nicht erlaubt, uns zu ihr zu führen. Sogar die metaphysische Logik von Schankara, bleibt kurz vor diesem endgültigen Sieg stehen. Diese Vergegenwärtigung im Denken, wird nicht von der Logik erreicht werden. All diese verschiedenen Behinderungen, werden durch einen zwingenden Grund verursacht; sie sind, weil Sat, die Wahrheit der Existenz, Brahman, - die Realität von Dingen, die deren Idee und Form erfüllt und stützt und über den erkennbaren und analysierbaren Elementen der Idee und Form steht. Es ist sogar noch subtiler als elementare Subtilität und deshalb nicht zu erschließen, herbeizuführen oder von einer Überlegung zu entdecken, die von einer Betrachtung der Elemente von Namen und Form ausgeht und dies zu ihrem Standard macht. Dies ist eine Wahrheit welche sogar die größten Philosophen, vedantisch oder unvedantisch zu vergessen neigen; aber das Sruti (das direkt inspirierte Wort) betont es immer wieder.

Dennoch hat die Menschheit für einige Tausende von Jahren, hartnäckig und mit Leidenschaft versucht, diese Wahrheit durch die selbigen Mittel die das Sruti verboten hat, zu entdecken. Solch ein Irrtum ist menschlichem Bewußtsein natürlich und unvermeidlich. Denn der Engel im Menschen ist jemand, der aus Licht und Glück hier in diese Dunkelheit, in dieses Zwielicht und Dämmerlicht der Dunkelheit der Materie, dem Zwielicht vom vitalen Bewußtsein, in die zerbrochenen Halblichter des Geistes herabgekommen ist und der Hauptimpuls seiner Natur ist, sich leidenschaftlich zum Licht zu sehnen, wovon er gefallen ist. Außerstande es sofort zu finden und zu wenig Dhira (Ruhe und kritisches Urteilen) um sich geduldig zu vervollkommnen, ist es natürlich, daß er in seinem Eifer nach anderen Instrumenten greifen sollte, sie über deren Kapazität zwingend diesem seinen höchsten Ziel zu dienen, - welches stets heißt, das vollkommene Licht zu entdecken und bei dieser Entdeckung auch wieder das vollkommene und unfehlbare Glück zu entdecken, welches nur im vollkommenen Lichte wohnt. Von diesem Mißbrauch seiner Wissensteile, haben sich drei illegitime menschliche Aktivitäten ergeben, von denen sich Philosophie, Religion und Wissenschaft besonders schuldig gemacht haben. Die streitbare metaphysische Philosophie der Schulen, die Theologie der Kirchen und die wissenschaftliche Philosophie der Laberatorien. Philosophie, Religion und Wissenschaft haben alle ihr vereinbartes Feld und Herrschaftsgebiet; jede kann dem Menschen in seiner großen Hauptbeschäftigung helfen, im Versuch alles über Brahman und Sat zu erfahren das er kann. Die Aufgabe der Philosophie ist, die ewigen Modi vom Sat logisch zu arrangieren; die Aufgabe der Wissenschaft ist, aufmerksam und analytisch die besonderen Formen und Bewegungen vom Sat zu arrangieren. Sie sind wirklich notwendig und sollten sich auch einander stützen und wenn alle die richtigen Beschränkungen und Grenzzeichen erkannten, könnten sie durch ihre Gemeinschaftsaktivität dem Menschen zu seiner gegenwärtigen erreichbaren Fülle verhelfen; aber durch eine Art intellektuellen Länderhunger sind sie dauernde Invasoren jedes ihrer Herrschaftsgebiete, leugnen einander ihre Positionen und bleiben deshalb unprofitabel durch menschliche Zeitalter im Krieg. Zuletzt bestehen alle drei darauf, nachdem sie unzulässigerweise einander ihre Felder einnehmen, nach einem Wissen zu greifen, dessen sie alle gleichermaßen unfähig sind, - die essentielle Natur der Welt, die geheime Wirklichkeit von Sat, dem uttaman rahasyam, vom Brahman. Dieser Fehler, diese Verwirrung dieses sankara oder illegitime Mischen verschiedener Natur und Funktion, ist der Fluch vom Kali-Zeitalter und daraus ergeben sich viele, wenn nicht die meisten der Schwierigkeiten, die wir als Rasse beim Entkommen aus diesem Elend und dieser Dunkelheit in Glück und Licht erfahren. Es ist ein Teil und ein großer Teil von Kalikalila, dem Chaos vom Kalizeitalter.


Indien hat stets seit der Verwirrung des Buddhismus versucht, obwohl ohne Erfolg, diese Drei sogar auf ihre korrekte Arbeitsteilung zu beschränken, - was mit dem allgemeinen Wachstum der Unwissenheit unmöglich wurde -, wenn nicht zwischen ihnen zumindest eine Harmonie aufrechtzuerhalten oder falls gestört, sie wieder herzustellen. Von diesem Versuch ist die Gita das ständige Denkmal und das perfekteste Beispiel. Um zu sehen, wie die Verwirrung in ihrer unbeschränkten Kraft wirkt, - und nur durch das Absondern der Krankheit von den Abänderungen heilender Gewalten, können wir beobachten, diagnostizieren und hinterher ihr Heilmittel finden -, müssen wir zur intellektuellen Geschichte des europäischen Kontinentes gehen. Da gab es genau gesagt zwei kritische Perioden in dieser Geschichte, die Griechisch-Römische Ära philosophischer Erleuchtung vor der Christenheit und die Ära moderner wissenschaftlicher Erleuchtung, die immer noch unausgeschöpft ist. In der Ersten sehen wir den Aufstand der Philosophie (mit der in ihren schützenden Umarmungen verborgenen Wissenschaft), gegen die Anmaßung der Religion. Wir finden sie nach dem Erreichen der Befreiung, ihrerseits die Religion leugnend und ihr sakrales Vorrecht usurpierend. In der modernen Ära sehen wir die Wissenschaft dieses Mal auftgetaucht und erwachsen, die Philosophie hinter sich haltend, im Aufstand gegen die Religion zuerst sichselbst befreiend, dann die Religion leugnend und ihre Vorrechte usurpierend; dann oder als Teil des endgültigen Prozesses dieser Eroberung, auch ihr altes Gebiet umwendend, leugnend und ihre hochfliegenden Verbündeten niederschlagend und usurpierend. Denn wenn die Wissenschaft die Religion verachtet und geleugnet hat, hat sie gleichermaßen die Metaphysik verachtet und geleugnet. Wenn sie erklärt hat, daß Gott ein barbarischer Mythos, eine Fiktion von Träumen und Schrecken und Sehnsüchten ist und uns das Recht der Gemeinschaft mit der Unendlichkeit versagt hat, hat sie gleichermaßen erklärt, daß Metaphysik eine Abweichung der ideativen Fähigkeit, eine falsche Erweiterung der Logik ist und unser Recht geleugnet, jede metaphysische Existenz oder überhaupt irgend etwas anzuerkennen, das nicht aus dem Ergebnis des Teströhrchens, des Skalpels, des Mikroskops und dem Teleskop beurteilt oder geschlossen werden kann. Auch hat sie selbst nicht gezögert, über die wesentliche Natur der Existenz und den gegenseitigen Beziehungen ihrer allgemeinen Modi, Materie, Leben, Geist und Spirit zu dogmatisieren. Aber für unseren unmittelbaren Zweck ist es nur notwendig, das Ergebnis in einer dieser Ären dieser ungeheuren Anmaßung zu beachten. Das Ergebnis der Anmaßung der Philosophie war, daß sich die Menschheit mit einer unendlichen Aufrichtigkeit, mit einem leidenschaftlichen Gefühl der Erleichterung, in die Religion einer obskuren jüdischen Sekte warf und für eine Zeitlang die uns erstaunt, in jede theologische Absurdität, sogar die monströseste einwilligte, sodaß es noch einmal erlaubt sein könnte, an etwas größeres als die Erde zu glauben und Beziehungen zu Gott zu haben. Der alte philosophische Geist wurde mit Hypatia auf den blutbefleckten Straßen von Alexandria in Stücke gerissen. Die Theologie nahm ihre Stelle ein und äußerte sich blind und töricht über Transubstantion und Konsubstantion und man weiß nicht über welch andere unfruchtbaren Geheimnisse noch. Soweit der Philosophie eine unabhängige Existenz erlaubt wurde, wurde sie gezwungen nicht ihre eigene Arbeit, sondern die Arbeit der Wissenschaft zu tätigen; so finden wir die Lehrerschaft ausführlich durch Logik a priori Wortgefechtsfragen entscheiden, die nur richtig von Beobachtung und Analyse bestimmt werden konnten. Denn Theologie und mittelalterliche Religion selbst, kümmerten sich nicht um dieses Feld des Wissens; sie hatten kein Bedürfnis für wissenschaftliche Wahrheiten, geradeso wie die Jakobiner Republik keinen Bedarf an Chemikern hatte; in der Tat guillotinierte sie die Wissenschaft wo immer ihre Gegenwart ihre Aufmerksamkeit aufsichzog. Aber alle Ungerechtigkeit, - und das bedeutet im Grunde jegliche Ablehnung der Wahrheit von Satyam und Rtam, - bewirkt ihre eigene Strafe oder wie es die Religion ausdrücken würde, die Strafe und Vergeltung Gottes.

Die befreite Wissenschaft in ihrem hartnäckigen Auftreten die Stärke der Titanen gegeben, rächt sich heute an ihren alten Unterdrückern, an Religion, an Philosophie, zerbricht ihre Tempel, verachtet ihre Götter und Propheten und sucht ihnen sogar das Recht auf Existenz zu entziehen. Das war das Ergebnis der Griechisch-Römischen Erleuchtung. Und was wird das Ergebnis der wissenschaftlichen Erleuchtung, der modernen Aufklärung, des feurigen Triumphs und glühender intellektueller Bigotterie vom Materialisten sein? Es ist zu früh den endgültigen Ausgang vorauszusehen, aber ungeformte Linien zeigen sich und obskure Massen erheben sich. Mystizismus wächst vage an Stärke, wie Wissenschaft vage an Stärke im Mittelalter wuchs. Wir sehen wie gigantische und mystische Figuren aus dem Osten hervortreten, sich Festungen und Anfangspunkte erbauend, sich unter den Halb-Intellektuellen verbreiten und sogar den Intellektuellen gefangennehmen, - vage Gestalten des Spiritismus, der mentalen Wissenschaft, der psychischen Forschung, des Neo-Hinduismus, Neo-Buddhismus, Neo-Mohamedanismus und der Neo-Christenheit. Die Priester der Isis, die Adepten und Illuminaten vom Gnostizismus, deren Triumph durch den Eingriff von St. Paul und dem Papst versagt wurde, in dies letztere Zeitalter wiedergeboren, erheben jetzt Anspruch auf ihre Befriedigung.


Schon geben einige Bollwerke vom Materialismus den Weg frei, wird der Angriff beharrlicher, die Verteidigung unbestimmter, weniger stolz und selbstsicher, - doch nicht weniger böse, überheblicher, bitterer und intoleranter; die Invasoren vermehren ihre Anhänger, erweitern die Anzahl ihrer Hochburgen. Wenn keine weitere und höhere Wahrheit eingreift, würde es fast scheinen, als ob die alte Verwirrung in einer neuen Form das Neue ersetzen könnte. Vielleicht legt eine esoterische Gesellschaft oder ein Spiritistenkreis großer Medien in einigen Jahrhunderten für uns nieder, was wir über diese und die nächste Welt denken sollen, welche besonderen Beziehungen uns zu Göttern erlaubt ist, welche Macht oder Eingeweihte wir verehren sollen. Wer weiß? Es kann sein, daß die Feuer von Smithfield wieder lodern mögen, um die Ketzer vor der Verdammnis zu retten.

Dies sind nicht bloße phantastische Spekulationen. Die Geschichte der Menschheit und die seltsamen Kapazitäten von einem so anscheinend unberechenbaren und unregelmäßigen Ding wie der menschlichen Natur, sollten uns vor ihrer Möglichkeit warnen oder davor, daß sie trotz Druckerpresse, trotz der Klarheiten der Wissenschaft, wenigstens nicht ganz unmöglich sind. Ohne Zweifel, mit so vielen Schulen und Akademien, solcher Ausbreitung der Bildung, würde die Aufklärung nie wieder verdunkelt und die Verehrung von Göttern und Geistern würde am Ende niemand sonst, als die Vulgären amüsieren. Wir müssen diese Dinge als möglich akzeptieren und prüfen, warum sie möglich sind. Diese Reaktion ist unvermeidlich, weil die Philosophie, obwohl äußerst hoch und leuchtend dazu tendiert, exklusiv und eng zu sein und die Wissenschaft, obwohl äußerst geduldig, genau und minuziös, dazu tendiert beschränkt, trocken und halbblind zu sein. Sie neigen beide dazu, so dogmatisch und intolerant auf ihre eigene hohe Weise oder auf ihre eigene klare, trockene Weise zu sein, wie die Religion auf ihre Weise, die nicht hoch aber intensiv, nicht klar aber begeistert ist; und sie leben auf einer Ebene der Mentalität, auf der sich die Menschheit im allgemeinen noch nicht mit vollkommener Leichtigkeit bewegt und nicht ohne Kampf und Schwierigkeit darin leben und atmen kann. Sie fordern beide vom Menschen, daß er seinen Intellekt, sein Herz und seine Vorstellung opfern soll, seine volle menschliche Natur leugnen und kalt und trocken leben soll. Sie könnten ihn gerade ebensogut darum bitten, ohne freie Atmung zu leben. Die mentale Welt in der wir darum gebeten werden zu leben, ähnelt dem, was das Leben der Menschheit wäre, wenn die Wärme der Sonne abgenommen hatte, die Erde frostig würde und ihre Atmosphäre schon zu dünn für unsere Behaglichkeit wäre. Es bringt keinen Nutzen zu sagen, daß wenn er in solch einer Atmosphäre leben sollte, es seine geistige Gesundheit und Kraft verbessert. Vielleicht sollte er es, - obwohl ich es nicht glaube -, aber er kann es nicht. Oder vielmehr kann es die Person, - alles ist einem einzelnen Menschen möglich -, aber die Rasse kann es nicht. Diese Forderung kann niemals erlaubt werden; denn es ist eine Leugnung der Natur, eine Verletzung der Großen Mutter (vermutlich ist Aditi gemeint R.H.), eine Verdrängung ihrer ewigen Tatsachen durch die Trockenheiten der Logik; es ist eine Ablehnung der Wahrheit der Dinge, von Satyam (der Wahrheit) und Rtam (das Rechte) und wenn darauf bestanden wird, bringt es seine eigene Rache. Philosophie und Wissenschaft müssen erkennen, wenn sie der Menschheit helfen sollen ohne sie und sichselbst zu verletzen, daß der Mensch ein komplexes Wesen ist und es seine Natur fordert, daß jeder Teil dieser Komplexität sein Tätigkeitsfeld haben soll und jede essentielle Aspiration in ihm befriedigt werden muß. Es ist seine Natur und sein Schicksal Aptakama zu sein, in seinem Begehren befriedigt, in der Person und in der Rasse, - obwohl immer entsprechend dem Satyam, dem Rtam, das auch das Sukham (das Leichte) und Sundaram ist, nicht gesetzlos und Verirrungen und Launen entsprechend. Es war die große Tugend vom alten Hinduismus, bevor der Buddhismus sein Gleichgewicht umwarf und andere Verirrungen folgten, daß er im Prinzip wenigstens diese Grundwahrheit erkannte, nicht leugnete worauf Gott besteht, sondern sich bemühte, - es ist dabei nicht wichtig ob vollkommen oder unvollkommen -, alles an seinen Platz zu stellen und eine natürliche Harmonie zu schaffen.

Schri Aurobindo

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Dies wurde etwa 1920 geschrieben. A.d.Üb.


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