SRI AUROBINDO UND DIE MUTTER

WIE ICH SIE SAH

V. Chidanandam

Ungefähr im Jahr 1920 kursierte ein gutmütiger Witz von Sri Aurobindo, - einer seiner vielen -, in seinem Kreis. Eine gewisse Person wollte eine Zeitschrift herausgeben und suchte Sri Aurobindo's Rat. Es wurde berichtet, dass Sri Aurobindo ihm gesagt hatte, "was ist es das du herausgeben willst ? deine Unkenntnis? Daran erinnerte ich mich, als ich innerlich diskutierte, diesen Artikel zu schreiben oder nicht. Zuletzt habe ich beschlossen, dieses zu schreiben, wissend dass ich meine Unkenntnis publiziere. Zwei Gründe bewogen mich bei der Entscheidung.

Zuerst dachte ich, dass ich die authentischen Worte des Meisters, den ich als das inkarnierte Wissen betrachte; Ich muss sie mit allen teilen, obwohl sie von meinen privaten Interviews mit dem Meister stammen. Denn sie heben seine freundliche Persönlichkeit als Guru, als Vater, als Mutter ..., sein unendliches Mitleid sogar mit einer unwürdigen Person wie mich, und sein mitfühlendes Verständnis hervor; sowie sein unheimlicher Einblick und seine unheimliche Kraft die Jünger zu leiten, seine übermenschliche Geduld und seine Art, sie zu ermutigen. Seine Liebe zu seinen Jüngern war mehr als die Liebe einer Mutter. Ich kann eine Parallele nur in Ramakrishna's Liebe zu seinen Jüngern finden. Sri Aurobindo war so informell, so umgänglich, so freundlich, so liebenswert, so bezaubernd, so bereit uns zuzuhören und jede Frage zu beantworten, so vertraut, wir waren uns nie irgendeiner reservierten Art in ihm bewusst oder einer Barriere zwischen uns. Ich hörte nie ein hartes Wort von ihm. Ich habe die Notizen von meinen Gesprächen mit dem Meister bewahrt, von dem ich einige Auszüge unten in Abschnitt II anhänge. Jeder Kommentar wäre überflüssig, denn sie offenbaren sehr eindeutig die oben erwähnten Aspekte seiner Persönlichkeit.

Zweitens meinte ich, dass ich meine Dankesschuld Sri Aurobindo und der Mutter zurückzahlen muss, wenn das überhaupt auf diese Weise möglich ist.

Durch die Gnade von Sri Aurobindo hatte ich mein erstes Darshan bei ihm im Jahr 1920, als ich ein Collegestudent war. Ich hörte das er ein großer Patriot war, ziemlich fern vom Gewöhnlichen, einer der auf alles für unser Land verzichtete, der unser Land tatsächlich als Bharat Mata, eine Göttin ansah, und der Patriotismus auf die Höhe von Religion und Spiritualität erhob, und durch seinen Mut und seine eloquenten Reden und Schriften, das Feuer des Spirits in der Nation entzündete. Ich hörte auch, dass er ein Dichter, Gelehrter und ein Maha Yogi war. Ich war sehr begierig darauf, Darshan von der großen Persönlichkeit zu erhalten, so dass ich nach Pondicherry ging. Sri Aurobindo gewährte mir freundlicherweise ein Interview.

Bevor er mich sah, stand er für einige Minuten, zum Meer gerichtet still und starrte darüber hinaus. Er stand wie eine Statue aufrecht, unbeweglich. Dann kam er näher und setzte sich in einen Stuhl. Ich machte mein pranam = dt. Ehrerbietungund setzte mich zu ihm.

Mein erster Eindruck von Sri Aurobindo war, dass er ein wahrer Rishi war. Sein gottähnliches Gesicht strahlte tiefgreifenden Frieden und Gelassenheit aus. Sein entschlossener und abwesender Blick zeigte mir an, dass er nicht von der Erde war. Er war mager, aber er war ein Bild der Gesundheit und immenser, dynamischer ruhiger Stärke. Sein Teint war dunkel, aber seine Persönlichkeit war strahlend.

Sri Aurobindo machte freundliche Anfragen bezüglich meiner Studien und Interessen. Politik kam zwangsläufig zur Diskussion auf. Es war ein sehr informelles Gespräch, aber extrem stimulierend und mir sehr nützlich.

Ich hatte danach Darshan von Sri Aurobindo jeden Abend für eine Woche. Wir pflegten hauptsächlich über Literatur, schöne Künste, Philosophie und Politik zu reden. In englischer Literatur riet er mir dazu, mit Thackerays Pendennis und anderen Romanen zu beginnen. Er bemerkte: "Thackeray ist subtiler und psychologischer als jeder Romanautor seiner Zeit oder vor ihm."

Von ihm empfohlene andere Autoren waren George Eliot, Charlotte Bronte Sisters, Stevenson ... Unter Dichtern bat er mich, mit Tennyson, Matthew Arnold (besonders seinem Essay 'Das Übersetzen Homers') zu beginnen, Wordsworth, Shelly, Keats und dann nehmen Sie die früheren Dichter.

Jene Besprechungen und viele Andere wurden danach in mein Gedächtnis gebrannt. Während ich von ihm Abschied nahm, bat ich um seine Erlaubnis ihn wieder zu sehen, und freundlicherweise gewährte er meine Bitte. Nach dem Verlassen von Pondicherry begann ich mit Begeisterung, die Werke von Sri Aurobindo zu lesen. In ihnen fand ich Lösungen beträchtlicher Probleme, die die Natur des Menschen, der Welt und Gottes betrafen. Die geistige Freude und die spirituelle Genugtuung, die ich beim Lesem seiner Werke bekam, hatte ich nie von einem anderen Denker oder Schriftsteller bekommen. Es war nicht nur Bewunderung für das konstante Glühen seines Intellekts; seine Philosophie von Leben und Existenz, zog etwas Tieferes, einen innersten Akkord in meinem Wesen an und ergriff mich bis zu den Tiefen.

So entschied ich Anfangs 1926: "Sri Aurobindo ist mein Guru". Aber ich fragte mich, "akzeptiert er mich auch als seinen Jünger?". Voller Ängstlichkeit ging ich nach Pondicherry und suchte ein Interview mit dem Meister, das er bereitwillig gewährte. Ich wunderte mich über die große Änderung in seiner physischen Erscheinung, seit ich ihn zuletzt gesehen hatte. Sein Teint war hell und sein Körper hatte zugenommen. Spirituelles Feuer schien in seinen Augen. Es erinnerte mich an den Beinamen im Mahabharata, der die Augen des Tapaswins als 'dumiriksya' beschreibt, - unsichtbar. (Später sah ich, dass es nicht immer so war. Normalerweise war es ein sanftes und mildesLicht, wie Sternenlicht). Ich sagte ihm den Zweck meines Besuchs. Als er einwilligte, mich als seinen Jünger zu akzeptieren, fühlte ich mich gesegnet.

Mein Bruder V. Chandrasekharam und ich lebten im Haus nebenan der Residenz des Meisters, Rue de Lamarine 9. Dort waren ungefähr ein Dutzend Jünger, die in einigen Häusern in der Nähe lebten. Es war wie Gurukul. Es gab an den Abenden informelle Sitzungen, wo wir über alle Arten von Themen zu reden pflegten. Es war oft wie bei Tischgesprächen. Manchmal wurden auch ernste Themen erörtert. Zu anderen Zeiten war die Rede im leichteren Ton über Menschen und Dinge. über Politik zu Hause und im Ausland usw., aber es war alles aus dem Stegreif.

Sri Aurobindo Stimme war weich und sanft, fast feminin. Seine Worte flossen, wie die kühlen Wasser eines ganzjährigen Frühjahrs. Gedanken kamen unaufhörlich zu ihm. Es schien, als ob er in Kommunikation mit höheren Ebenen der Inspiration und direktem Wissen wäre. Seine Erfahrung sowohl in der Sphäre der Sadhana, als auch in anderen war gewaltig und tiefgreifend. Aber er brachte uns dazu, uns ziemlich wohl in seiner erhabenen Gegenwart zu fühlen. Ich sah ihn nie feierlich oder ernst. Der Meister redete in einer gelassenen und freundlichen Stimmung. Er hatte einen guten und subtilen Sinn für Humor. Sogar leichtherzige Witze und Scherze gab es in Fülle. Seine schlagfertige Antwort war gutgelaunt und vergnüglich. Bei Gelegenheit hatte er ein leises frohes Lachen.

Wir freuten uns deshalb auf die Abendsitzungen mit großem Vergnügen. Mit der Zeit im November 1926 schien es uns, daß Sri Aurobindo mehr und mehr nach innen gezogen war. Offensichtlich hatte er eine entscheidende Stufe in seiner Sadhana erreicht und war an der Scchwelle, ein großes Ziel zu erreichen. Schließlich kamen die Abendsitzungen gegen der letzten Novemberwoche zu einem Ende. Die Abendreden waren ein intellektuelles Fest. Ich fand sie als funkelnd und anregend, so aufschlussreich und erbaulich, wie die Reden von Sokrates und Platon und in modernen Zeiten von Goethe und Whitehead. All seine ursprünglichen Gedanken waren für mich wertvoll, und ich pflegte am nächsten Tag die meisten von ihnen getreu aufzuzeichnen. An vielen Tagen konnte ich mehr als hundert Zeilen reproduzieren. Dies glaubte ich damals und jetzt zurückblickend, immer noch mehr, dass es alles aufgrund der Gnade von Sri Aurobindo war. Meine Notizen von diesen Reden werden gegenwärtig in Mutter Indien (ein Journal) herausgegeben. Es gibt keine Kontinuität in den Notizen, denn die Reden waren über alle Arten von Themen, und sie bedecken verschiedene Zeiträume, aber sich über sie alle im Hintergrund abzuzeichnend, ist Sri Aurobindo's Persönlichkeit und die durchdringende Gegenwart seiner einzigartigen Vision.


An den Morgen, etwa 9 Uhr Vormittags, konnten wir den Meister persönlich sehen, jedes Mal wenn wir seine Führung haben wollten. Er pflegte uns sehr geduldig mit seinem Rat zu helfen und unsere Fragen zu beantworten.

8.5.1926 Morgens

In einem meiner Interviews mit dem Meister, nachdem ich akzeptiert worden war, bemerkte er: "Zurzeit bewegst du dich aktiv im Geist.... sind deine Nerven solide?"

Antwort: Meine Nerven sind empfindlich. Sage mir freundlicherweise, wie man sie stärken kann und auch wie mein Geist beruhigt werden kann.

Sri Aurobindo: Solide Nerven meint Geduld, Wachsamkeit, Ausdauer, Kapazität Steine zu zerbrechen, ... Du musst deine Nerven durch Kultivieren dieser Qualitäten und durch Herabbringen von Ruhe und Frieden stark machen. Um die Stille und den Frieden zu erhalten, musst du zuerst eine stille Sehnsucht im ganzen Wesen nach Frieden haben, dann sondere dich von deinem Geist ab, wende dich zurück und schaue von oben auf ihn. Beobachte den Geist aktiv, wie er weiterläuft. Gib den Gedanken keine Zustimmung; wenn sie beharrlich sind, zurückweisen sie zentral, ruhig, stetig, ohne Kampf oder Anstrengung oder Mühen. Beteilige dich nicht an der Tat, die Gedanken zurückzuweisen. Ein wachsamer Wille ist wesentlich, damit du den Griff auf das Selbst nicht verlierst. Du musst fähig sein, innerlich den Geist zu ergreifen und ihn zu halten ..., dies ist auch für aktives konzentriertes Denken notwendig. Beide Bewegungen sind gegenseitig hilfreich ... Mit Übung kommt der Geist unter Kontrolle, es wird Ruhe und Stille geben. Nachdem Stille eingetreten ist, konzentriere dich leise und bewusst auf den Frieden.

10.5.1926 Morgens

Sri Aurobindo: Die Leere des Geistes ist etwas Tieferes, als die normale Leere vom tamasischen (trägen) Geist, es ist eine Vorbereitung für eine höhere Bewegung im Bewusstsein. Man muss wachsam sein und alle Schwäche und Beimengungen wegscheuchen, damit nicht in dieser Leere die Gewalt, die in der Atmosphäre ist, die schwache Stelle ausnutzen und ihn umkippen kann. Ich habe eine Stufe erreicht, wo es etwas in der Atmosphäre um mich herum gibt, und die Sadhaks können die Wirkungen seines Drucks auf allen Niveaus des Wesens fühlen ... Es sei denn, man hat einen starken Griff auf das Selbst, gibt es jegliche Gefahr.

12.5.1926 Morgens

Sri Aurobindo: Die äußeren Dinge machen nicht viel aus, es sind die Unruhe und die Trägheit vom Geist, die die wirklichen Hindernisse sind. Der Körper ist nicht so sehr ein Hindernis, wie der Geist mit seiner Aktivität und seinem Wunsch nach Ergebnissen. Verwickle dich nicht in ein Duell mit dem Geist. Kämpfe nicht gegen die Gedanken. Du musst vom Geist zurückstehen und wie ein Zuschauer seine Aktivität überwachen. Sogar beim Beobachten des Geistes wie er läuft, weist du die Gedanken passiv zurück ... Es sei denn, du tust dies, erlangst du den Frieden und die Kraft nicht. Sogar in meinem eigenen Fall war der Geist das Hindernis im Pfad meines Fortschritts in Richtung Vijnana ... Leise befiehl dem Geist, still zu sein. Es muss eine innere zentrale Konzentration geben.

14.5.1926 Morgens

Sri Aurobindo: Die Stille ist vom Geist ... Es kann sein, dass die Melancholie durch den sentimentalen Teil des Geists verursacht ist. Der Geist hebt die Melancholie an, um sie zu genießen. Es ist die Melancholie von Dichtern, Tagore zum Beispiel, oder es kann wegen der Phantasie sein, wie du sagst. Du musst den sentimentale Geist, den sensationelle Geist, durch Herunterrufen des Friedens stillen. Wenn der Frieden herabsteigt, fühlst du innerhalb deines Körpers, wie er von Zentrum zu Zentrum und um dich herum absteigt. Der Frieden ist die Grundlage und der Anfang des Yogas. Später kommt Ananda, Weite vom Brahman, Purusha Bewusstsein, usw. Du hast auf die Gedanken zu schauen, die Falschen rauszuwerfen, die Wahren zu empfangen... Der Wille sollte stiller intuitiver Wille sein, eine Kraft die nicht geistig ist. Wenn die Melancholie zersetzend ist, muss sie zurückgewiesen werden ... Wenn sie lindernd ist, z.B., wie von bestimmten Melodien herbeigeführt wird, ist es psychische Traurigkeit und von dieser kann in der Sadhana Gebrauch gemacht werden ...

20.5.1926 Morgens

Sri Aurobindo: Es gibt kein Schaden beim summarischen Zurückweisen der Gedanken, nur solltest du dich nicht an der Tat beteiligen, sie zurückzuweisen, ... In der Tat, deinen Geist zu beobachten, weist du die Gedanken passiv zurück, aber du beteiligst dich nicht ... Obwohl die Ruhe nicht von den Gedanken gestört wird, darfst du nicht erlauben, dass sie zu oft aufkommen, damit es nicht zur Gewohnheit wird. Versuche sie so vollständig wie möglich zum Schweigen zu bringen. Sonst kann es sein, dass sie so aufkommen, (mit einer Geste der Hand ) ..... Die Ruhe darf nicht von externen Ursachen abhängen z.B., Musik ... Du musst den Geist so frei hinlegen wie du es mit einem Werkzeug machst.

22.5.1926 Morgens

Sri Aurobindo: Du musst Gleichmut unter allen Umständen haben. Wenn dein Geist auch nur für einen Moment außer Kontrolle kommt und gestört oder unruhig wird, dann folgen alle Schwierigkeiten, geistige Unruhe, Suggestionen, usw. Sei immer wachsam, in anderen Stunden noch wachsamer als während Meditation ... Du musst die eine Unendlichkeit überall sehen. Immer musst du versuchen, alles als die Manifestation Gottes zu betrachten. Aspiration im Herzen, (d.h. der psychische Geist) und Wille im höheren Geist, - Gebet ist nur die genaue Aspiration -, bringt den Frieden herunter. Den Frieden wirst du als Gegenwart über dir und innerhalb fühlen ... Stille ist eine sehr mächtige Waffe und kommt nur nach langer Sadhana zu jenen, dessen geistige Entwicklung kein Hindernis zu der Stille ist, im Allgemeinen ist es so ... Es hängt vom Samaskara, der Veranlagung ab. Denken ist eine Form des Bewusstseins. Und wenn es in naher Zukunft keine Stille gäbe, würden sich Gedanken erheben und ihren Eindruck auf das Bewusstsein machen, bevor sie abgewiesen sind. ... Trenne dich vom Geist und beruhige den Geist. Sei Eins mit dem Zeugen. Trenne dich später vom Prana... Du findest die Hindernisse jetzt nicht in deinem Pfad. Wie der Frieden und die Kraft absteigen, zeigen sie die Hindernisse, und sie zeigen dir auch, wie über sie hinwegzukommen ist. Den Willen im Höheren Geist, kannst du nicht so bald erreichen. Bis er erwacht ist, greife mehr und mehr zu gereinigter und gestärkter Aspiration zurück.

26.5.1926 Morgens

Sri Aurobindo: Die Konzentration des physischen Geists auf die Höhere Macht, (Mutter) tut es nicht. Was erforderlich ist, ist eine innere Konzentration und innerer Frieden. Eine gewisse Stille mag es aufgrund dder Absorption in eine Idee sein, aber innere Konzentration kann dir allein den inneren Frieden geben. Absorption in einer Idee ohne volle Selbstbeherrschung, Wachsamkeit und Macht zur Distanziertheit dahinter ist gefährlich. Die Konzentration muss bewusst sein .. Wenn es keine Wachsamkeit und Distanziertheit gibt, identifizierst du sich unbewusst mit dem Geist, sogar im Gebet ... Es kann sein, dass Absorption in einer Bewegung manchmal hilfreich ist, ...

14.7.1926 Morgens

Sri Aurobindo:Weil du zuviel über Frieden nachdenkst, bekommst du ihn nicht, ... Es sollte keinen Unterschied zwischen den Stunden der Meditation und anderen Stunden geben. Nur während Meditationszeit bekommst du den Frieden, den du am ganzen Tag haben musst. Auch nicht für einmal wirf dich ins Spiel. Du musst die Weite zurückbekommen, die Weite, die den Frieden hält. Du musst den Stoff deines Geistes ändern, er muss flexibel und plastisch sein. Es ist nicht genug, wenn du die Stille innen hast, sie muss um dich herum sein ..., wenn du den Frieden nicht bekommen kannst, konzentriere dich auf die Kraft. Die zwei meinen am Ende dieselbe Sache. Der Frieden bringt die Kraft mit sich, und die Kraft, wenn sie kommt, entfernt die Hindernisse und führt den Frieden ein.

Frage: Gibt es Hindernisse vom Unterbewusstsein?

Sri Aurobindo: Es gibt jede Anzahl von Hindernissen im Unterbewusstsein. Sie sind jetzt nicht wichtig. Strebe nur nach Frieden. Lass die Gedanken nur an der Oberfläche sjpielen. Sieh dir die Gedanken an, wie du Dinge außerhalb von dir, z.B. Tische, Bücher usw. ansiehst.

19.7.1926 Morgens

Sri Aurobindo: Den Geist ruhig zu machen heißt nicht, geistige Aktivität insgesamt abzuschaffen. Du wirfst die Gewohnheit geistiger Aktivität aus deiner Natur nicht weg ... Das Herabkommen von höheren Dingen, hängt von der Reinheit und Vorbereitung der niederen Natur ab; die Reinheit der Niederen hängt vom Abstieg der Höheren ab. Der Abstieg von der Ruhe und die Reinheit der niederen Natur sind voneinander abhängig.

16.8.1926 Morgens

Sri Aurobindo: Zu versuchen, den Geist durch Gebet zu beruhigen, ist nicht das Richtige, denn es ist nur eine prekäre Flaute, die du bekommst, und der Geist ist bald wieder auf ...

Erlaube niemals, daß dich der Geist tyrannisiert. Du musst seine mechanischen Gewohnheiten immer stoppen und lernen, ihn wie ein Werkzeug zu verwenden. Sogar beim schwerwiegenden Denken musst du ruhig sein und zurücktreten und kühl denken. Sei nicht unruhig. Wünsche nicht, Wissen zu besitzen, ... mache den fragenden Geist ruhig. Verliere nicht den Griff auf deinen Geist. Lasse ihn deinen Befehl jeden Moment befolgen, Sobald du die Kontrolle verlierst, erlaubst du, dass die unterbewusste Gewohnheit des mechanischen unruhigen Denkens für Tage hochkommt und andauert.

Sri Aurobindo: Gebet, lediglich geistig oder vital, und der Wunsch, die Wahrheit in der geistigen Form zu kennen, wird dich nicht nach innen führen, sie bringen dich hingegen mehr außerhalb deines Zentrums.

23.8.1926 Morgens

Sri Aurobindo: Du meintest, oder du sahst, dass die geistige Aspiration und die Vitale (die Forderung nach Wissen in den Formen des Geists und die Forderung nach Frieden) etwas sind, das dir fremd war?

Antwort: Ich fühlte und dann sah ich.

Sri Aurobindo: Dann ist es das psychische Wesen, das fühlte und das Urteilsvermögen, das sah. Psychische Aspiration drückt sich zuerst durch dias geistige und vitale Wesen aus. Die Aspiration des vitalen Wesens muss da sein, nicht die Aspiration des Vitalen der Oberfläche, die bald überschritten ist.

Frage: An welchen Teil des Wesens in uns appelliert die Natur?

Sri Aurobindo: Es zieht den Geist und das Vital Wesen im Allgemeinen an. Das ästhetische Wesen ist teils geistig und teils vital ... Die Natur zieht in Einigen alle Teile des Wesens an. Was du sagst, ist der Appell an das Psychische Wesen. Dem Psychischen Wesen enthüllt die Natur die Unendlichkeit; es fühlt Bhakti, es betritt Universal Schönheit durch die Natur.

Frage: Wie weit hilft es dem Sadhaka?

Sri Aurobindo: Es verfeinert zuerst das vitale Wesen, befreit es nicht direkt von Begierde und Egoismus. Es schafft eine gewisse psychische Empfindlichkeit, eine Tür, durch die der Sadhaka die Unendlichkeit betreten kann.

Frage: Musik?

Sri Aurobindo: Musik zieht auch das Psychische Wesen an.

Frage: Ebenso Dichtung und Kunst?

Sri Aurobindo: Ja, aber bei einigen Leuten zieht Musik nur den Geist an. Es kann sein, dass diese geistigen Bewegungen helfen, das Wesen vorzubereiten; es kann sein, dass die Seele durch das ästhetische Wesen berührt ist, aber sie behindern auch. Es ist alles Gefühl.

Frage: Ihre Anziehung ist zu schön. Ist es ein Hindernis?

Sri Aurobindo: Es ist nur etwas im Innern, was ringt sich selbst auszudrücken. Der Yogi muss all diese Dinge übersteigen. Das bedeutet nicht, dass er sie unterdrücken muss. Er muss sie überschreiten und sie umwandeln.

25.8.1926

Sri Aurobindo: Gedanken kommen von außen und nehmen im Geist Gestalt an. Du musst sie beobachten, wie sie passiv kommen und sie zurückweisen, wirf sie hinaus. An der Ruhe festzuhalten und die Gedanken beobachten, d.h. Distanzierung vom Geist und Ablehnung der Gedanken, muss eine Bewegung sein, bis sie zum Schweigen gebracht sind. Dann kannst du dich nach innen wenden und die Gedanken ignorieren ... Wenn du die mechanische Geistesgewohnheit änderst und jeden Moment auf ihrer Passivität bestehst, gibt der Geist nach. Du musst sie innen ständig passiv und voller Frieden machen.

3.9.1926 Morgens

Sri Aurobindo: Die Steuerung des Geistes und das Verwenden von ihm als ein Werkzeug, kommt später. Du musst dir die Gedanken ansehen, schauen wo sie herkommen und annehmen, wenn sie irgendeinen Wert haben. Du musst die geistige Natur kennen. Was wenn Gedanken kommen? sie dürfen die innere Ruhe nur nicht stören. Höre nicht auf die Gedanken, ... du musst sie in dem Sinne zurückweisen, dass du sie mehr und mehr außerhalb von dir sehen musst; kümmere dich nicht um sie, verweile nicht bei ihnen. Wenn du Ruhe besitzt, kannst du sie aufnehmen. Ruhe ist nicht vom Geist, sie steigt von oben herab...

Die Kontrolle der unterbewussten Natur z.B. der mechanischen Aktion vom Geist im Schlaf oder Wachen, kommt später. Gib die Kampfeseinstellung auf. Meditation muss friedlich sein. Externalisiere die Gedanken mehr und mehr. Ignoriere alle geistigen Überlegungen. Das Wesentliche ist eine leichte, mühelose und natürliche Öffnung zum Göttlichen. Eine gewisse Konzentration ist notwendig, die Gedanken zurückzuweisen, aber es muss eine stille Konzentration sein, sie darf nicht Ursache zur Überanstrengung sein... Wenn der Geist Stille bekommt, kannst du auch Aktivität haben. Auf der Basis der Ruhe, musst du das aktive Denken stellen. Es gibt zuerst vereinzelte Gedanken, aber danach gibt es sehr klare, verbundene Gedanken. Wenn du zu perfekter Stille gelangst, kannst du das Universalbewusstsein Vijnana usw. suchen. Der erste Schritt ist jedoch das Gefühl des Universalen Pranas, dann das Universale Bewusstsein usw. ...

5.9.1926 Morgens

Sri Aurobindo: Es macht nichts, wenn deine Ruhe gestört wird, sieh nur, dass sie zumindest im Hintergrund bleibt. Versuche, die Kraft zu bekommen. Festige diese zwei, Ruhe und Kraft und wenn du andere Erfahrungen machst, desto besser.

Frage: Ist die Kraft vitale Kraft oder nervliche Energie?

Sri Aurobindo: Wenn du den Geist zum Schweigen bringst, kommst du zum reinen Geist. Dann erhälst du Prana Energie, nicht nervliche  Energie. Zuerst kommt Shakti als Prana Energie. Später kommen nur umso höhere Energieformen. Du musst diese Prana Energie empfangen, halten und stabilisieren. Dann fühlt sich das Vitale Wesen erfrischt, ... Das Licht, das gesehen wird, wenn der Geist klar ist, ist das Licht von Chidakasha, nicht von der Außenatmosphäre ... Die Freude ist, selbst wenn sie von Ursachen unabhängig ist, geistig, aber nicht anhaltend. Aber sie ist in der Weise hilfreich, das Eine und Unendliche überall zu sehen.

16.9.1926 Morgens

Sri Aurobindo: Es gibt zwei Bewegungen in diesem Yoga:

1.Die Stille des Geistes - Gedanken kommen nicht vom Gehirn oder physischen Geist, sondern so (mit einer Geste) und

2.Aufwärts gerichtete Aspiration oder aufwärts gerichteter Wille, nicht ein Wille der abwärts zieht. Spüre dich nicht im Gehirn, sondern im Herzen... Es sollte keine Belastung auf das Gehirn geben ...

Frage: Können wir ohne die Verwendung des Gehirns beim Lesen und dem Schreiben zurechtkommen?

Sri Aurobindo: Ja. Nicht dass das Gehirn nicht funktioniert, aber du wirst dich darüber erheben, über den physischen Geist und von dort beobachten.

Frage: Können wir uns immer dort stationieren?

Sri Aurobindo: Ja ...Der Wille erschöpft sich nicht. Es ist der Widerstand des Geistes, der sich erschöpft. Ich denke, dass es kein ernstes Hindernis in deinem vitalen oder physischen Wesen gibt. Das einzige Hindernis ist jetzt deine geistige Aktivität, Eifer. Eifer kann es geben, aber es muss der vom Herzen sein, intensiv. Der Geist darf sich nicht mit ihm vermischen ...

17.10.1926

Sri Aurobindo: Konzentriere dich nicht nur im Geist, sondern im Herzen. Erwarte nichts, sondern bleib ruhig. Es darf kein geistiges Bestehen auf der nächsten Maßnahme oder einer vitalen Forderung geben. Setze Vertrauen hinein, wenn du kannst, ... Du siehst jetzt den Frieden, die Weite über dir. Du hältst dich einfach offen ... Du beruhigtest den denkenden Geist, du trenntest dich vom mechanischen Teil des Geistes, - denn du warst bloß an ihm beteiligt, so dass du ihn nicht bemerktest -, jetzt hat er sich erhoben. Der dynamische Geist ist in den mechanischen Geist geworfen, und er fährt zu wiederholen fort 'ich werde dieses tun, ich werde das tun.' Aber er wird bald müde. Wenn der Höhere Wille oder das Licht sich manifestiert, tut es alles.

3-11-1.926

Sri Aurobindo: Verbinde das Zentrum des Geistes mit dem Zentrum des Herzens. Das Herz ist gegenwärtig das Zentrum des Menschen, das Seelenzentrum. Wenn du dich im Geist konzentrierst, beginnt der Geist zu meditieren. Aber Meditation im Herzen bringt dich leicht zur Realität.

5,11.1926 Morgens

Sri Aurobindo: Die Aspiration muss spontan sein, es muss ein wachsamer Wille und Distanziertheit da sein. Es wird verlangt, dass etwas Energie das Bewusstsein innen aufrechterhält und es davon abhält nach außen zu gehen. Konzentration oder Aspiration hilft beim Sichöffnen, aber dafür musst du dich völlig von den Gedanken abtrennen. Wenn du diese Distanziertheit hast, fühlst du es sogar physisch, du fühlst dich, als ob du im ätherischen Weltraum vemischt bist, und so leicht... Du musst die  Distanziertheit  fühlen, Distanziertheit vom Geist und vom Körper...

10.11.1926. Morgens

Sri Aurobindo: Deine natürliche Bewegung scheint durch das Herz und den Teil vom vitalen Wesen zu sein, das in Kontakt mit Schönheit kommt, ... Du musst die positive Ruhe des Öffnens zum Universalen bekommen, nicht die negative Stille, sich in konzentrierter Absorption zu verschließen, ... Die Bewegung durch den Geist gibt Wissen, weites Bewusstsein.... . durch das Herz, das Gefühl von Freude und Macht...Konzentriere dich im Herzen, identifiziere dich mit dem ruhigen Gefühl der Aspiration, verbreite das Gefühl und lasse das ganze Wesen zu diesem ruhigen Gefühl werden ...

15.11.1926 Morgens

Sri Aurobindo: Dein einziges Hindernis ist die geistige Aktivität. Wenn du versuchst, dich nach innen zurückzuziehen, bringst du deinen Geist auch mit dorthin. Das darf nicht sein. Es muss wirkliche Distanziertheit und Aspiration für etwas von oben geben, Weite usw., nicht bloße Kontrolle des Geistes ... Du hast viel Kraft in dir, nur lässt du zu, dass sie schlummernd ist.

20.11.1926

Wegen einiger Umstände musste ich Pondicherry verlassen und nach Hause fahren. Ich bat deshalb um die Erlaubnis des Meisters, zu gehen. Er war so warm und freundlich und liebevoll und gütig, daß er mir sagte: "Warum willst du gehen? Warum bleibst du nicht weiter hier ?" Ich wurde überwältigt. Ich fühlte, wie mich seine Gnade einhüllte, und ich war zutiefst berührt. Als ich ihm meine Situation erklärte, hatte er ganzes Mitgefühl und Mitleid und gab mir seine Segnungen.


In jenen Tagen hielt sich die Mutter physisch im Hintergrund. Als ich sie zuerst sah, war ich von ihrer zerbrechlichen, aber überirdischen und strahlenden Form betroffen und ihren unergründlichen Augen, die wie endlose Meeresflächen zu sein schienen. Ich stand durchbohrt vor ihr und starrte und starrte, weit und lang in jene Flächen, jene bezaubernden Augen, jene fabelhaften Augen der Unendlichkeit. Ich war buchstäblich in jenen Augen versunken. War diese Form des Mysteriums und von weitherkommenden Engels, ein unsterblicher Geist oder eine Vision? Ich meinte, dass ich von ihrer Liebe und Gnade umgeben wurde. Dann sammelte ich mich und bat um ihre Segnungen. Sie schaute in meine Augen und lächelte und segnete mich. Welch ein bezauberndes Lächeln es war! Ich habe bisher niemals solche Augen und solch ein Lächeln in einer anderen Person gesehen. Diese Vision ist all diese Jahre in meinem Geist eingraviert geblieben. Ich sah sie einige Male wieder. Ich staunte viele Male über das sich ändernde Gesicht der Mutter, jetzt die eigentliche Form der Gnade, jetzt eine Form des Lichts von etwas Jenseitigen und jetzt eine Form von glänzenden, fließenden, lebendigen Gold, immer mit Erhabenheit, Majestät und Göttlicher Würde und ausstrahlenden Wellen des Lichts, von Liebe und von Glück gekleidet.

20.11.1926 Morgens

Ich ging zur Mutter, um ihre Führung zu suchen und Urlaub von ihr zu nehmen, ...

Die Mutter: Konzentriere dich im Herzen. Sehne dich nach Kraft und Frieden im Herzen, öffne dich zu uns hier... Es gibt kein Hindernis. Sei nicht ängstlich. Geh vorwärts. Alles wird gut sein.

Auf diese Art, nahm ich widerwillig von Sri Aurobindo und der Mutter Urlaub, die so voller Nektar von göttlicher Liebe waren. Sri Aurobindo und die Mutter waren in meinem Geist untrennbar mit dem göttlichen Gourisankar vom Himalaya hoch über der Erde verbunden, ruhig und friedevoll und heiter, gebadet in Licht, und Frieden und Gnade und Liebe für alle ausstrahlend. Sie sind meine Leuchtfeuer auf der Reise meines Lebens gewesen, und ich bete und vertraue, dass es sein möge, dass sie fortfahren mir ihre Gnade durch alle Ewigkeit zu gewähren.


NACHWORT

Was hier der Erläuterung bedarf, ist der Terminus KRAFT, von der Sri Aurobindo des öffteren spricht.

Damit ist die spirituelle neue KRAFT der MUTTER gemeint, die man empfängt, wenn man sich der MUTTER geöffnet hat. Diese Kraft macht den Yoga möglich und der Sucher spürt sie sehr bald als etwas das ihn umhüllt. Sie dient als Schutz sowie als Führung zugleich.

Des weiteren bedeutet die Konzentration auf das Herz nicht das physische, sondern das psychische Herz, das sich im Herzchakra in der Mitte der Brust befindet. Man kann es dort als Wärmepunkt fühlen. R.Helmecke

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