TEMORA

Ein episches Gedicht

Vorwort des Webmasters: James Macpherson sammelte Anfang des 18. Jahrhundert in Schottland die damals noch reichlich existierenden mündlichen Überlieferungen alter keltischer Dichtung, die Ossian (3.Jahr.) zugeschrieben wurden. Er übersetzte sie aus dem Gälischen ins Englische. Hier das Erste Buch des sehr langen Gedichtes Temora. Der Erzähler ist Ossian, Sohn Fingals und Vater von Oscar.


Erläuterung

Cairbar, der Sohn von Borbar -- Duthal, Lord von Atha in Connaught, der stärkste Häuptling der Firbolg-Rasse, der in Temora dem königlichen Palast, Cormac den Sohn Artho's ermordet hat, den jungen König von Irland, usurpierte den Thron. Cormac stammte direkt von Conar ab, dem Sohn von Trenmor, der große Großvater von Fingal, König jener Caledonier, die den Western von Schottland bewohnten. Fingal ärgerte sich über das Benehmen von Cairbar und beschloß rüber nach Irland mit einer Armee zu gehen, um die königliche Familie wieder auf den irischen Thron zu setzen. In früher Kenntnis seiner Pläne, sammelte Cairbar einige seiner Stämme in Ulster und beorderte zur gleichen Zeit seinen Bruder Cathmor, ihm schnell mit einer Armee von Temora zu folgen. Solchermaßen war die Situation, als die kaledonischen Invasoren an der Küste von Ulster erschienen.

Das Gedicht beginnt am Morgen. Cairbar wird vom Rest der Armee zurückgezogen dargestellt, als ihm einer seiner Kundschafter Nachricht von der Landung Fingals brachte. Er ruft einen Rat seiner Häuptlinge zusammen. Foldath der Hauptmann von Moma verachtet den Feind und wird von Malthos heftig getadelt. Cairbar ordnet nach dem Hören ihrer Debatte an, daß ein Fest vorzubereiten sei, zu welchem er durch seinen Barden Olla, Oscar einlädt, den Sohn von Ossian; wobei er beschloß, einen Streit mit diesem Helden anzufangen, um so einen Vorwand zu haben ihn zu töten. Oscar kam zum Fest; der Streit geschah; die Anhänger beider bekämpften sich, und Cairbar und Oscar fielen durch gegenseitige Wunden. Der Lärm vom Kampf erreichte Fingals Armee. Der König kam zur Entlastung von Oscar herbei und die Irischen fielen zurück zur Armee von Cathmor, die bis zu den Ufern des Flusses Lubar auf der Heide von Moilena vorgerückt war. Fingal beorderte nach dem Trauern um seinen Enkel Ullin den Häuptling seiner Barden, seinen Körper nach Morven zu tragen, um ihn dort zu bestatten. Während die Nacht vorrückt, berichtet Althan der Sohn von Conachar, dem König die Einzelheiten über den Mord an Cormac. Fillan, der Sohn von Fingal wird gesandt, um die Bewegungen von Cathmor des Nachts zu beobachten, welches die Handlung vom ersten Tag beschließt. Die Szene von diesem Buch ist eine Ebene nahe dem Hügel von Mora, die sich an den Grenzen der Heide von Moilena in Ulster erhob.  Macpherson.


Blaue WellenDie blauen Wellen von Irland rollen im Licht. Über die Berge breitet sich der Tag aus. Die Bäume schütteln in der Brise ihre dunklen Häupter. Graue Sturzbäche vergießen ihre lärmenden Ströme. Zwei grüne Hügel mit alten Eichen, umgeben eine schmale Ebene. Am blauen Lauf eines Stromes, stand Cairbar von Atha an seinen Ufern. Den König stützt sein Speer; das rote Auge seiner Furcht ist traurig. Cormac erhebt sich in seiner Seele, mit all seinen grauenvollen Wunden. Die graue Form des Jünglings scheint in Finsternis. Blut strömt von seinen luftigen Seiten. Cairbar warf dreimal seinen Speer zur Erde. Dreimal strich er seinen Bart. Seine Schritte sind kurz. Oft bleibt er stehen. Er schleudert seine sehnigen Arme. Er ist wie eine Wolke im Ödland, die ihre Form bei jedem Windstoß verändert. Die Täler umher sind traurig und fürchten den postwendenden Schauer! Der König fasste sich wieder in seinem Herzen. Er nahm seinen spitzen Speer. Er wendete sein Auge nach Moi -- Lena. Die Kundschafter vom Blauen Ozean kamen. Sie kamen mit Schritten der Furcht und sahen oft nach hinten. Cairbar wußte, daß die Starken nahe waren ! Er rief seine düsteren Häuptlinge.

Die schallenden Schritte seiner Krieger kamen heran. Sie zogen sofort ihre Schwerter. Dort stand Morlath mit düsterem Gesicht. Hidallas langes Haar seufzte im Wind. Der rothaarige Cormar bückt sich nach seinem Speer und rollt seine nach allen Seiten schauenden Augen. Wild ist der Blick von Malthos, unter zwei zotteligen Brauen. Foldath steht wie ein feuchter Stein, der seine dunklen Seiten mit Schaum bedeckt. Seine Speer ist wie Slimoras Tanne, die auf den Himmelswind stößt. Sein Schild ist gezeichnet von Kampfeshieben. Sein rotes Auge trotzt der Gefahr. Diese und tausend andere Häuptlinge umgaben den König von Irland, als der Kundschafter des Ozeans kam, Mor - Annal vom stromreichen Moi-Lena. Seine Augen traten aus seinem Gesicht. Seine Lippen zittern blaß!

"Stehen die Häuptlinge von Irland, sagte er, still wie der Abendhain? Stehen sie wie ein stiller Wald und ist Fingal an der Küste? Fingal, der im Kampf schrecklich ist, der König vom stromreichen Morven? Hast Du den Krieger gesehen? sagte Cairbar mit einem Seufzer. Sind seiner Helden viele an der Küste? Hebt er den Kampfesspeer? Oder kommt der König in Frieden ?"

"In Frieden kommt er nicht, König von Irland. Ich habe seinen vorwärts gerichteten Speer gesehen. Es ist ein Todesmeteor. Das Blut Tausender ist an seinem Stahl. Er kam als Erster zur Küste, stark im grauhaarigen Alter. Voll erhoben sich seine sehnigen Glieder, da er schritt in seiner Macht. Das Schwert ist an seiner Seite, das keine zweite Wunde gibt. Sein Schild ist schrecklich wie der blutige Mond, der im Sturm aufsteigt. Dann kam Ossian, König der Lieder. Dann Mornis Sohn, der Erste der Menschen. Connal hüpft auf seinem Speer vorwärts. Dermid schüttelt seine dunklen braunen Locken. Fillan, der junge Jäger vom stromreichen Moruth, spannt seinen Bogen. Aber wer ist das vor ihnen, wie der schreckliche Lauf eines Stromes! Es ist der Sohn Ossians, herrlich mit seinen Locken herum! Sein langes Haar fällt auf seinen Rücken. Seine dunklen Brauen sind halb in Stahl eingeschlossen. Sein Schwert hängt lose an seiner Seite. Sein Speer glitzert, wenn er sich bewegt. Ich flüchtete vor seinen schrecklichem Augen, König von Hoch-Temora ! ''

"Dann flieh, du schwacher Mensch, sagte Foldaths düsterer Zorn. Flieh zu den Grauen Strömen deines Landes, Sohn kleinen Herzens! Habe ich nicht diesen Oscar gesehen? Ich erblickte den Häuptling im Krieg. Er ist ein Mächtiger der Gefahr: Aber es gibt andere, die den Speer erheben. Irland hat viel solch tapferer Söhne, König vom Temora der Haine! Laß Foldath ihn in seiner Stärke begegnen. Laß mich diesen mächtigen Strom aufhalten. Mein Speer ist mit Blut bedeckt. Mein Schild ist wie die Mauer von Tura ! ''

"Soll Foldath dem Feinde allein begegnen ? antwortete der dunkelbräuige Malthos. Sind sie nicht zahlreich an unserer Küste, wie die Wasser vieler Ströme? Sind dies nicht die Häuptlinge, die Swaran bezwangen, als die Söhne Grün-Irlands flüchteten? Soll Foldath ihrem tapfersten Helden begegnen? Foldath vom Stolzen Herzen! Nimm die Stärke der Leute! und laß Malthos kommen. Mein Schwert ist rot vom Schlachten; aber wer hat meine Worte gehört ! ''

"Söhne Grün-Irlands, sagte Hidalla, lasst Fingal eure Worte nicht hören. Der Feind könnte sich freuen und sein Arm im Lande stark sein. Ihr seit tapfer, O Krieger! Ihr seit Stürme im Krieg. Ihr seit wie Stürme, die ohne Furcht auf Felsen treffen und Wälder niederwalzen. Aber laßt uns in unserer Stärke langsam wie eine sich sammelnde Wolke gehen! Dann sollen die Mächtigen zittern; der Speer soll den Tapferen aus der Hand fallen. Wir sehen die Wolke des Todes, werden sie sagen, während Schatten über ihr Angesicht fliegen. Fingal wird in seinem Alter trauern. Er soll seinen fliehenden Ruhm sehen. Die Schritte seiner Häuptlinge werden von Morven verschwinden. Das Moos der Jahre soll in Selma wachsen.''

Cairbar hörte ihre Wörter im Schweigen, wie eine Schauerwolke; die dunkel über Cromla steht, bis der Blitz ihre Seite zerbersten läßt. Das Tal schimmert von der Himmels-Flamme; die Geister des Sturmes jauchzen. So stand der schweigende König von Temora; langsam brachen seine Wörter hervor. "Bereitet das Fest auf Moi -- Lena. Laßt meine hundert Barden aufwarten. Du, rothaariger Olla, nimm die Harfe vom König. Gehe zu Oscar, dem Schwerthauptmann. Bitte Oscar zu unserer Freude. Heute bewirten wir und hören das Lied; morgen brechen wir die Speere! Sage ihm, daß ich das Grab von Cathol ausgehoben habe, daß Barden seinen Freund dem Winde gaben. Sage ihm, daß Cairbar von seinem Ruhm am Strom des schallendem Carun gehört hat. Cathmor, mein Bruder ist nicht hier. Er ist nicht hier mit seinen Tausenden und unsere Arme sind schwach. Cathmor ist feindlich zur Zwietracht beim Fest! Seine Seele ist hell wie diese Sonne! Aber Cairbar muß gegen Oscar, Häuptling vom waldreichen Temora kämpfen! Seine Worte für Cathol waren gar viel; der Zorn von Cairbar brennt. Er soll auf Moi -- Lena fallen. Mein Ruhm soll an Blut zunehmen.''

Ihre Gesichter erhellten sich voller Freude. Sie verteilten sich über Moi -- Lena. Das Schildfest ist vorbereitet. Die Lieder der Barden erheben sich. Die Häuptlinge von Selma hörten ihre Freude. Wir dachten, daß der starke Cathmor käme. Cathmor, der Freund Fremder! Der Bruder vom rothaarigem Cairbar. Ihre Seelen waren nicht die Gleichen. Das Licht des Himmels war im Busen Cathmor's. Seine Türme erhoben sich an den Ufern von Atha; sieben Pfade führten zu seinen Hallen. Sieben Häuptlinge standen auf den Pfaden und riefen die Fremden zum Fest! Aber Cathmor verweilte im Wald, um die Stimme des Lobes zu meiden!

Olla kam mit seinen Liedern. Oscar ging zu Cairbars Fest. Dreihundert Krieger schritten entlang Moi -- Lena der Ströme. Die grauen Hunde sprangen auf der Heide; ihr Geheul reichte weit. Fingal sah den wegschreitenden Helden. Das Herz des Königs war traurig. Er fürchtete Cairbars düstere Gedanken inmitten des Schilderfestes. Mein Sohn hob den Speer von Cormac hoch. Einhundert Barden bedachten ihn mit Liedern. Cairbar verbarg mit Lächeln den Tod, der dunkel in seiner Seele lag. Das Fest ist bereitet. Die Schilde hallen wider. Freude erhellt das Gesicht des Gastgebers. Aber es war wie der Abschiedsstrahl der Sonne, wenn sie ihren roten Kopf im Sturm versteckt.

Cairbar erhebt sich in seinen Waffen. Finsternis sammelt sich auf seiner Stirn. Die hundert Harfen hören sofort auf. Das Getön von Schilden wird gehört. Weit entfernt auf der Heide, hob Olla ein Lied der Klage an. Mein Sohn kannte das Zeichen des Todes und aufstehend, ergriff er seinen Speer. "Oscar, sagte der dunkelrote Cairbar, ich erblicke den Speer von Irland. Der Speer von Temora glitzert in deiner Hand, Sohn vom waldreichen Morven! Er war der Stolz von hundert Königen. Der Tod von alten Helden. Bringe ihn, Sohn von Ossian, bringe ihn dem wagenlenkenden Cairbar !"

''Soll ich, antwortete Oscar, das Geschenk von Irlands verletztem König bringen, das Geschenk vom schönhaarigen Cormac, da Oscar seine Feinde zerstreute? Ich kam voll Freude zu Cormacs Hallen, als Swaran vor Fingal flüchtete. Freude kam im Gesicht der Jugend auf. Er gab den Speer von Temora. Weder gab er ihn den Lahmen, noch den im Herzen Schwachen. Die Finsternis von deinem Gesicht ist mir kein Sturm, noch sind deine Augen die Todesflamme. Fürchte ich dein klingendes Schild? Zittere ich bei Ollas Lied? Nein! Cairbar, erschrecke die Schwachen, Oscar ist ein Felsen !"

"Willst du den Speer nicht bringen? antwortete der sich erhebende Stolz Cairbar's. Sind deine Worte so mächtig, weil Fingal nah ist? Fingal mit gealterten Locken, von Morvens hundert Hainen! Er hat gegen kleine Menschen gekämpft. Aber er muß vor Cairbar vergehen, wie eine dünne Säule Dunst vor den Winden von Atha !"

"Wäre er, der gegen kleine Menschen kämpfte, nahe Athas überheblichem Häuptling, - Athas Häuptling würde Grün-Irland darbringen, um seine Wut zu vermeiden! Sprich nicht von dem Starken, O Cairbar! Wende dein Schwert zu mir. Unsere Stärke ist gleich, aber Fingal ist berühmt! Der Erste der sterblichen Menschen ! ''

Ihre Leute sahen die finster werdenden Häuptlinge. Drumherum werden ihre drängenden Schritte gehört. Ihre Augen rollen im Feuer. Tausend Schwerter sind halb aus der Scheide gezogen. Der rothaarige Olla hebt das Lied vom Kampfe an. Die zitternde Freude von Oscars Herzens erhob sich, die gewohnte Freude seines Herzens, als Fingals Horn gehört wurde. Dunkel wie die schwellende Woge des Ozeans vor den sich erhebenden Winden, wenn sie ihr Haupt nahe der Küste beugt, kam der Gastgeber von Cairbar heran! Tochter Toscar's! Warum diese Träne? Er ist noch nicht gefallen. Viele Tode gab sein Arm, bevor mein Held fiel!

Siehe sie fallen vor meinem Sohn, wie Haine im Ödland; wenn ein böser Geist durch die Nacht hastet und ihre grünen Häupter in seine Hände nimmt! Morlath fällt. Maronnan stirbt. Conachar zittert in seinem Blut! Cairbar schrumpft vor Oscars Schwert! Er schleicht in Finsternis hinter einen Stein. Er hebt heimlich den Speer; er durchsticht die Seite meines Oscars! Er fällt vorn auf sein Schild; sein Knie hält den Häuptling aufrecht. Aber sein Speer ist immer noch in seiner Hand. Sieh, der düstere Cairbar fällt! Der Stahl durchstach seine Stirn und teilte sein hinteres Rothaar. Er lag wie ein zertrümmerter Stein, den Cromla von seiner zotteligen Seite schüttelte, wenn das Grüntälerne Irland seine Berge von Meer zu Meer schüttelt.

Aber nie mehr soll Oscar sich erheben! Er lehnt sich an sein herrisches Schild. Sein Speer ist in seiner schrecklichen Hand. Irlands Söhne stehen entfernt und düster. Ihre Rufe erheben sich, wie überfüllte Ströme. Moi -- Lena hallt es weit wider. Fingal hörte den Klang. Er nahm den Speer von Selma. Seine Schritte sind vor uns auf der Heide. Er sprach die Worte der Klage. "Ich höre Kriegslärm. Jung Oscar ist allein. Erhebt euch, Söhne von Morven; schließt euch an das Schwert des Helden! ''

OskarOssian hastete entlang der Heide. Fillan sprang über Moi -- Lena. Fingal schritt in seiner Stärke. Das Licht seines Schilds ist schrecklich. Die Söhne von Irland sahen es weit entfernt. Sie zitterten in ihren Herzen. Sie wußten, daß sich der Zorn des Königs erhob und sie sahen ihren Tod voraus. Wir kamen zuerst an. Wir kämpften. Irlands Häuptlinge hielten unserer Wut stand. Aber als der König im Verlauf des Geschehens kam, - welches Herz von Stahl konnte widerstehen! Irland flüchtete über Moi -- Lena. Der Tod verfolgte ihren Flug. Wir sahen Oscar auf seinem Schild. Wir sahen das Blut herum. Stille verdunkelte jedes Gesicht. Jeder drehte seinen Rücken und weinte. Der König war bestrebt seine Tränen zu verbergen. Sein grauer Bart pfiff im Wind. Er beugt seinen Kopf über den Häuptling. Seine Worte vermischen sich mit Seufzern.

"Bist du gefallen, O Oscar, in der Mitte deines Schicksalslaufes? Das Herz des Älteren schlägt über dir! Er sieht deine zukünftigen Kriege! Die Kriege die kommen sollen, sieht er! Sie sind von deinem Ruhm getrennt! Wann soll die Freude in Selma weilen? Wann soll der Kummer von Morven weichen? Meine Söhne fallen allmählich; Fingal ist der letzte seines Geschlechts. Mein Ruhm beginnt zu verlöschen. Mein Alter wird ohne Freunde sein. Ich werde wie ein grauer Schatten in meiner Halle sitzen. Ich werde die Rückkehr eines Sohns in tönenden Waffen nicht mehr hören. Weint, ihr Helden von Morven! Nie mehr soll Oscar sich erheben ! ''

Und sie weinten, O Fingal! Teuer war der Held ihren Seelen. Er ging hinaus um zu kämpfen und die Feinde verschwanden. Er kehrte in Frieden inmitten ihrer Freude zurück. Kein Vater trauerte um seinen in Jugend erschlagenen Sohn; kein Bruder um seinen Lieblingsbruder. Sie fielen ohne Tränen; denn der Häuptling der Leute ist betrübt! Bran heult an seinen Füßen; der düstere Luauth ist traurig, denn er hatte sie oft zum Jagen geführt; zum springenden Reh der Einöde!

Als Oscar seine Freunde umsich sah, erhob sich seine schwankende Brust. "Das Stöhnen von alten Häuptlingen sagte er, das Geheul von meinen Hunden, der plötzliche Ausbruch des Klagelieds, haben Oscars Seele geschmolzen. Meine Seele, die nie zuvor schmolz. Sie war wie der Stahl von meinem Schwert. Ossian, trage mich zu meinen Hügeln! Errichte die Steine meines Ansehens. Lege das Horn von einem Hirsch, lege mein Schwert an meine Seite. Der Sturzbach hier kann die Erde nachher anheben. Der Jäger kann den Stahl finden und sagen: Dies ist Oscars Schwert gewesen, der Stolz anderer Jahre!''

"Fallest Du, Sohn meines Ruhms! Soll ich dich niemals wiedersehen, Oscar? Wenn andere von ihren Söhnen hören, soll ich es nicht? Das Moos wächst auf deinen vier grauen Steinen. Der trauernde Wind ist da. Der Kampf soll ohne dich gestritten werden. Du sollst den dunkelbraunen Hirschkühen nicht mehr nachgehen. Wenn der Krieger vom Kämpfen zurückkehrt und von anderen Ländern erzählt, wird er sagen: 'Ich habe ein Grab gesehen, beim brüllenden Strom, den dunklen Wohnsitz eines Häuptlings. Er fiel durch den wagenlenkenden Oscar, der Erste sterblicher Menschen.' Ich soll seine Stimme vielleicht hören. Ein Strahl der Freude wird in meiner Seele aufleuchten."

Die Nacht wäre in Trauer gekommen und der Morgen im Schatten vom Kummer zurückgekehrt. Unsere Häuptlinge wären wie kalte tropfende Felsen in Moi-lena gestanden und hätten den Krieg vergessen, hätte der König nicht seinen Kummer verscheucht und seine mächtige Stimme erhoben. Die Häuptlinge herum erhoben ihre Köpfe, wie frisch aus Träumen erwacht.

"Wie lange sollen wir auf Moi -- Lena weinen? Wie lange in Irland unsere Tränen vergießen? Der Starke kehrt nicht zurück. Oscar wird sich nicht mehr in seiner Stärke erheben. Die Tapferen müssen an ihrem Tage fallen und unter ihren Hügeln vergessen werden. Wo sind unsere Väter, O Krieger? Die Häuptlinge alter Zeiten? Sie sind wie Sterne die geschienen haben untergegangen. Wir hören nur den Klang ihres Lobes. Aber sie waren berühmt in ihren Jahren, dem Schrecken anderer Zeiten. Auf diese Art sollen wir sterben, am Tage unseres Falls. Dann laß uns berühmt sein wenn wir können und unseren Ruhm hinter uns lassen, wie die letzten Strahlen der Sonne, wenn sie ihren roten Kopf im Westen verbirgt. Der Reisende trauert um ihre Abwesenheit, an die Flamme ihrer Strahlen denkend. Ullin, mein alter Barde! Nimm dir das Schiff vom König. Trage Oscar zum Selma der Harfen. Laß die Töchter von Morven weinen. Wir müssen in Irland für das Geschlecht vom gefallenen Cormac kämpfen. Die Tage meiner Jahre beginnen zu versagen. Ich fühle die Schwäche meines Armes. Meine Väter beugen sich von ihren Wolken, um ihren grauhaarigen Sohn zu empfangen. Aber bevor ich dahin gehe, soll ein Ruhmesstrahl aufgehen. Meine Tage sollen enden, wie meine Jahre begannen - im Ruhm. Mein Leben soll ein Strom von Licht für Barden anderer Zeiten sein ! ''

Ullin zog seine weißen Segel hoch. Der Wind vom Süden kam auf. Er sprang auf den Wellen in Richtung Selma. Ich blieb in meinem Kummer, aber meine Worte wurden nicht gehört. Das Fest ist auf Moi -- Lena bereitet. Ein hundert Helden umstellten das Grab von Cairbar. Kein Lied wird über den Häuptling vorgebracht. Seine Seele war dunkel und blutig gewesen. Die Barden erinnerten sich des Falls von Cormac! Was konnten sie zu Cairbars Lobe sagen?

Die Nacht kam angerollt. Das Feuer von hundert Eichen erhob sich. Fingal saß unter einem Baum. Alt Althan stand in der Mitte. Er erzählte die Geschichte vom gefallenem Cormac Althan, dem Sohn von Conachar, der Freund des wagenlenkenden Cuthullin. Er weilte mit Cormac im windigen Temora, als Semos Sohn an Legos Strome fiel. Die Geschichte von Althan war traurig. Eine Träne war in seinem Auge, als er sprach.

"Die untergehende Sonne schien gelb auf Dora. Der graue Abend begann zu dämmern. Temoras Wälder schüttelten sich im Geblase des unbeständigen Windes. Eine Wolke sammelte sich im Westen. Ein roter Stern sah hinter seiner Ecke hervor. Ich stand allein im Wald. Ich sah einen Geist in der dunkel werdenden Luft! Sein Schritt erstreckte sich von Hügel zu Hügel. Sein Schild war trüb an seiner Seite. Er war der Sohn von Semo. Ich kannte das Gesicht des Kriegers. Aber er verschwand in seinem Windstoß und alles war dunkel herum! Meine Seele war traurig. Ich ging zur Halle der Schilde. Tausend Lichter erhoben sich. Die hundert Barden hatten die Harfen aufgereiht. Cormac stand in der Mitte wie der Morgenstern, wenn er auf dem östlichen Hügel jauchzt und seine jungen Strahlen in Schauer gebadet sind. Hell und still ist sein Fortschreiten hoch droben, aber die Wolke die ihn verstecken soll ist nahe! Das Schwert Artho's war in der Hand des Königs. Er schaute mit Freude auf seine polierten Nägel. Dreimal versuchte er es zu ziehen und er scheiterte dreimal; seine gelben Locken sind auf seinen Schultern ausgebreitet. Seine Wangen der Jugend sind rot. Ich trauerte um den Strahl der Jugend, denn er sollte bald sinken! ''

"Althan ! sagte er mit einem Lächeln, hast du meinen Vater erblickt? Schwer ist das Schwert vom König; sein Arm war bestimmt stark. O daß ich wie er im Kampfe wär', wenn sich die Wut seines Zorns erhob! Dann hätte ich mich mit Cuthullin, dem wagenlenkenden Sohn von Cantela getroffen ! Aber die Jahre können heraufkommen, O Althan! und mein Arm (dann) stark sein. Hast Du von Semos Sohn gehört, dem Herrscher über Hoch-Temora? Er könnte mit seinem Ruhm zurückgekehrt sein. Er versprach heute Abend zurückzukehren. Meine Barden erwarten ihn mit Liedern. Mein Fest ist in der Halle der Könige ausgebreitet.'' Ich hörte Cormac still zu. Meine Tränen begannen zu fließen. Ich versteckte sie mit meinen gealterten Locken. Der König nahm meinen Kummer wahr. 'Sohn von Conachar ! sagte er, ist der Sohn des Semo bedrückt? Warum bricht er heimlich in Seufzer aus? Warum läuft die Träne herunter? Kommt der wagenlenkende Torlath? Kommt der Klang vom rothaarigen Cairbar? Sie kommen! denn ich erblicke deinen Kummer. Mossy, Turas Häuptling ist bedrückt! Soll ich nicht zum Kampfe eilen? Aber ich kann den Speer nicht anheben! O hätte mein Arm die Stärke von Cuthullin, bald würde Cairbar fliehen; der Ruhm meiner Väter wäre erneuert und die Taten anderer Zeiten ! ''

Er nahm seinen Bogen. Die Tränen fließen aus beiden seiner funkelnden Augen. Kummer betrübt die Runde. Die Barden beugen sich über ihre hundert Harfen. Der einsame Windstoß berührte ihre zitternden Saiten. Der Klang ist traurig und bedrückt! Eine Stimme wird von Ferne gehört, wie die einer in Kummer. Es war Carril vergangener Zeiten, der vom dunklen Slimora kam. Er erzählte vom Falle Cuthullin's. Er erzählte von seinen starken Taten. Die Leute waren um sein Grab verstreut. Ihre Waffen lagen auf dem Boden. Sie hatten den Krieg vergessen; denn er, ihr Vorfahr, wurde nicht mehr gesehen!

"Aber wer, sagte der sanft-stimmige Carril, wer kommt da wie springende Rehe? Ihre Statur ist die junger Bäume im Tal, wenn sie im Regenschauer wachsen! Weich und rötlich sind ihre Wangen! Furchtlose Seelen schauen aus ihren Augen! Wer anders als die Söhne von Usnoth, Häuptling vom stromreichen Etha? Die Leute erheben sich auf jeder Seite, wie die Stärke eines halb-erloschenen Feuers, wenn die Winde auf ihren raschelnden Flügeln plötzlich kommen. Plötzlich glüht die dunkle Kuppe vom Hügel; die vergehende See bleibt auf ihren Winden zurück. Der Klang von Caithbats Schild wurde gehört. Die Krieger sahen Cuthullin in Nathos. So rollte seine funkelnden Augen! Seine Schritte waren solchermaßen auf der Heiden! Kämpfe werden bei Lego bestritten. Das Schwert von Nathos herrscht vor. Bald sollst du ihn in deinen Hallen erblicken, König vom Temora der Haine ! ''

"Bald könnte ich den Häuptling erblicken ! antwortete der blauäugige König. Aber meine Seele ist traurig wegen Cuthullin. Seine Stimme klang angenehm in meinem Ohr. Oft sind wir auf Dora zur Jagd der dunkelbraunen Hirschkühe ausgezogen. Sein Bogen war untrüglich auf den Hügeln. Er sprach von starken Menschen. Er erzählte von den Taten meiner Väter. Ich fühlte aufgehende Freude. Du aber sitze beim Fest, O Carril, ich habe deine Stimme oft gehört. Singe lobhaft über Cuthullin. Singe von Nathos Of Etha"

Der Tag erhob sich über Temora, mit all den Strahlen vom Osten. Crathin kam zur Halle, der Sohn vom alten Gellama. 'Ich sehe eine Wolke im Ödland, König von Irland! sagte er. Eine Wolke schien sie zuerst, aber eine Menschenmenge jetzt! Einer schreitet vor ihnen in seiner Stärke. Sein rotes Haar fliegt im Wind. Sein Schild glitzert im Strahl vom Osten. Sein Speer ist in seiner Hand.' "Ruf ihn an auf das Fest von Temora, antwortete der sich aufheiternde König. Meine Halle ist das Haus der Fremden, Sohn des großzügigen Gellama! Es ist vielleicht der Häuptling von Etha, der in seinem ganzen Ansehen kommt. Heil, starker Fremder! Gehörst du zu den Freunden Cormac's? Aber Carril, er ist dunkel und unschön. Er zieht sein Schwert. Ist das der Sohn des Usnoths, der Barde alter Zeiten? " 'Es ist nicht der Sohn von Usnoth ! sagte Carril. Es ist Cairbar dein Feind.' "Warum kommst du in deinen Waffen nach Temora? Häuptling der düsteren Stirn. Laß nicht dein Schwert sich gegen Cormac erheben! Wohin wendest du deinen Speer ? "

Er schritt in Düsterkeit vor. Er ergriff die Hand des Königs. Cormac sah seinen Tod voraus; die Wut in seinen Augen erhob sich. 'Zieh dich zurück, du Häuptling von Atha! Nathos kommt mit Krieg. Du bist kühn in Cormacs Halle, denn sein Arm ist schwach." Das Schwert stach in die Seite des Königs. Er fiel in den Hallen seiner Väter. Sein blondes Haar liegt im Staub. Sein Blut dampft auf.

"Bist du gefallen in Deinen Hallen ! sagte Carril. O Sohn vom stattlichen Artho. Das Schild Cuthullin's war nicht in der Nähe, noch der Speer deines Vaters. Traurig sind die Berge Irlands, denn der Häuptling der Leute ist betrübt! Gesegnet sei deine Seele, O Cormac! Du wurdest in deiner Jugend verfinstert. ''

Seine Worte kamen Cairbar zu Gehör. Er näherte sich uns bei Mitternacht. Er fürchtete sich, sein Schwert zu den Barden auszustrecken, obwohl seine Seele düster war. Lange verzehrten wir uns vor Gram! Endlich kam der stattliche Cathmor. Er hörte unsere Stimme aus der Höhle. Er wendete das Auge seines Zorns zu Cairbar.

"Bruder von Cathmor, sagte er, wie lange willst du meine Seele quälen? Dein Herz ist ein Stein. Deine Gedanken sind düster und blutig! Aber Du bist der Bruder von Cathmor; und Cathmor soll in deinem Kriege leuchten. Aber meine Seele ist nicht wie deine, du schwache Hand im Kampf! Das Licht meines Busens ist mit deinen Taten befleckt. Die Barden singen nicht von meinem Ruhm: Sie mögen sagen: 'Cathmor war tapfer; aber er kämpfte für den düsteren Cairbar.' Sie werden schweigend über mein Grab gehen. Mein Ruhm soll nicht gehört werden. Cairbar! Entlasse die Barden. Sie sind die Söhne zukünftiger Zeiten. Ihre Stimme soll in späteren Jahren gehört werden; nachdem die Könige von Temora gescheitert sind.''

Wir kamen wegen dieser Worte des Häuptlings. Wir sahen ihn in seiner Stärke. Er war wie deine Jugend, O Fingal, als du zuerst deinen Speer erhobst. Sein Gesicht war wie die Scheibe der Sonne, wenn sie hell ist. Keine Finsternis überschattete seine Stirn. Aber er kam mit seinen Tausenden, um dem rothaarigen Cairbar zu helfen. Jetzt kommt er um seinen Tod zu rächen, O König vom waldreichen Morven.

"Laßt Cathmor kommen, antwortete der König. ich liebe einen so großen Feind. Seine Seele ist hell. Sein Arm ist stark. Seine Kämpfe sind voller Ruhm. Die kleine Seele aber ist ein Gespenst, das um den sumpfigen See herumschleicht. Sie erhebt sich niemals auf dem grünen Hügel, damit nicht die Winde dort auf sie treffen sollten. Ihr Wohnsitz ist in der Höhle, sie schickt den Todespfeil heraus! Unsere junge Helden, O Krieger, sind wie das Ansehen unserer Väter. Sie kämpfen in der Jugend. Sie fallen. Ihre Namen sind im Lied. Fingal ist inmitten seiner düster werdenden Jahre. Er darf nicht wie eine alte Eiche über einen geheimen Strom fallen. Nahe ihr sind die Schritte vom Jäger, wie sie unter dem Wind liegt. 'Wie ist dieser Baum gefallen ? ' sagt er und schreitet pfeifend weiter. Stimmt das Lied der Freude an, ihr Barden von Morven. Laßt unsere Seelen die Vergangenheit vergessen. Die roten Sterne schauen aus den Wolken auf uns und gehen stille unter. Bald soll das Grau des Morgens aufgehen und uns die Feinde von Cormac zeigen. Fillan! Mein Sohn, nimm du den Speer vom König. Gehe zu Moras dunkelbrauner Seite. Laß deine Augen über die Heide schweifen. Beobachte die Feinde von Fingal, beobachte den Lauf vom großmütigen Cathmor. Ich höre einen entfernten Klang, wie fallende Steine im Ödland. Aber schlage du rechtzeitig dein Schild, daß sie nicht in der Nacht kommen können und der Ruhm von Morven endet. Ich beginne allein zu sein, mein Sohn. Ich fürchte den Fall meines Ansehens !'' Die Stimme von Barden erhob sich. Der König lehnte sich an den Schild von Trenmor. Schlaf fiel auf seine Augen. Seine zukünftigen Kämpfe erschienen in seinen Träumen. Das Kriegsheer umher schläft. Der dunkelhaarige Fillan beobachtet den Feind. Seine Schritte sind auf einem entfernten Hügel. Wir hören zeitweise seinen klappernden Schild.

Ende des Ersten Buches


Nachwort des Webmasters: Macphersons Echtheit der Lieder, wurde schon zu seiner Zeit von der damaligen Wissenschaft angezweifelt. Das scheint bis heute so geblieben zu sein. Doch große Dichter wie Goethe, Herder und andere, schienen diese Dichtung sehr zu schätzen. In der Tat sind die Argumente der Zeitgenossen eher von Neid und Eifersucht geprägt, als von echter wissenschaftlicher Überlegung. Der Charakter der Dichtung, weist auf ein sehr hohes Alter hin und gibt uns Aufschluß über die Menschen der damaligen Zeit. Es ist eine sehr dramatische Handlung mit heroischen Gestalten und gibt uns einen Einblick in das kampferfüllte Leben unserer Vorfahren. Ich persönlich hege keine Zweifel an der Echtheit der Lieder. Sie gleichen eher einer Schilderung eines Geschehens, als einer Kunsterzählung und sind sehr lebensnah in ihrer Dramatik. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, daß die Übertragung aus dem Gälischen ins Englische gelitten haben mag, wie es wahrscheinlich ist. Somit ist zumindest der dichterische Charme verloren gegangen. Nach über eintausend Jahren, hat sich auch die gälische Sprache gewandelt und es ist möglich, daß die alten Lieder diese Entwicklung mitgemacht haben. Siehe auch den kurzen Artikel von Schri Aurobindo über den poetischen Genius. hier

. Auch die folgende Seite ist hilfreich bei der Verfolgung der Umstände um Macpherson's Sammlung. Jedoch wiederholt sich hier der unkritische Kleingeist seiner Zeitgenossen, beim Versuch die Echtheit der Lieder zu bewerten. hier

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